Elektra’s Beobachtungen …von der (heißen) Sommerweide

<Puuh!….Nun habe ich doch wohl hoffentlich den heißesten Teil dieses erneuten Jahrhundert-Sommers im Schatten der Ruhrwiesen einigermaßen überstanden –  es soll ja das heißeste Jahr weltweit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. Ich muss das mal glauben, denn ich bin ja noch sehr jung. Das erste etwas kühlere Wochenende nach vier Wochen Hitzestress kündigt sich an - und die paar Regentropfen haben nicht nur für die Amphibien eine lebenswichtige Bedeutung. Die Frösche brauchen schließlich Wasser - und so kommt das feuchte Schauerwetter ja gerade rechtzeitig zum Schützenfest im ruhrabwärts gelegenen Nachbarort. Mein Herr und mein Hirte war in der Zwischenzeit gleich zweimal in Spanien: Dort herrschen ähnliche Temperaturen – auf Mallorca jedoch noch etwas kühler und windiger als hier im Sauerland; aber in Madrid unerträgliche 40 Grad im Schatten –  dort liefen die Klimaanlagen auf Hochtouren und es sei eigentlich nur im Taxi oder in den Geschäftshäusern auszuhalten gewesen, erzählte er mir. Der Energieverbrauch in dieser Millionen-Metropole muss immens sein - noch schlimmer der Wasserverbrauch – Trinkwasser wohl gemerkt. Wenn jeder von den über drei Millionen Einwohnern Madrids jeden Tag wie vom Arzt empfohlen mindestens 3 Liter Wasser aus Plastikflaschen zu sich nimmt, dann wären das schon allein rd. 6 Millionen von den 1,5-Liter-Flaschen, die dort täglich geleert im Abfall verschwinden – ein riesiger Berg mit einem Volumen von 9.000 m³ - oder bildlich ausgedrückt: täglich ein fast 2 m hoch gestapeltes Fußballfeld voller leerer Plastikflaschen – nur allein in dieser Stadt. Da säuft so ein Rindviech wie ich zwar durchaus die 10-fache Menge am Tag wie ihr Menschen – aber dafür wesentlich Abfall ärmer und Ressourcen schonender direkt aus dem Flussbett der jungen Ruhr. Apropos junge Ruhr: Die kann man von meiner Warte von der Hudeweide Richtung Dorf nicht mehr sehr weit verfolgen – wenn auch der Kurpark am Anfang der Lieth noch von den Anwohnern frei geschnitten und offen gehalten wird, so fängt ab der Kurparkbrücke praktisch das Dickicht an. Es heißt, der Kurpark sei von der anderen Seite des Dorfes fast gar nicht mehr zu begehen, weil die Hecke an der Kirche den Weg beinahe vollständig zugewuchert habe. Überhaupt sei das Dorf in einem erbärmlichen und sehr ungepflegtem Zustand was die Pflege der öffentlichen Hecken beträfe. Am Runden Tisch sei auch schon darüber gesprochen worden, aber daran ändern könne man nichts. Die „Stadt“– so heißt es lapidar - sei nicht in der Lage, die Anlagen so in Schuss zu halten, wie es eigentlich nötig wäre, hätte der Ortvorsteher den Anwesenden zur Kenntnis gegeben. Der allgemeinen Aufregung am Tisch folgte natürlich wieder mal: Nichts! Die Anwohner der vorderen Straße Zur Lieth seien auch ziemlich gefrustet. Die öffentlichen städtischen Aufgaben würden immer mehr wie selbstverständlich auf die Dorfbewohner umgelenkt – unentgeltlich obendrein, während man in Olsberg für alles und jedes immer nur die Rechnung aufmache. Die stellten sich bockig und auf den Standpunkt, dass erstmal die Stadt an der Reihe sei und nicht die Anwohner. Na, da sagt mir mein beschränkter Rinderverstand, dass man doch so auch nicht weiter kommt, oder? Um aber wieder mal seinen sonntäglichen Gang zur Dorfmitte antreten zu können, hat sich mein Herr und mein Hirte zusammen mit dem Klosterbauer den steilen Weg im Kurpark am vergangenen Samstag kurzerhand selbst vorgenommen und frei geschnitten. Hat eine ganze halbe Stunde gedauert – wollen sie nichts für haben – haben sie freiwillig gemacht – für die ganze Dorfgemeinschaft! Genauso wir er gestern mit zwei weiteren bekannten Helferinnen das Rosenbeet und die Mittelinsel am Ortseingang aus Richtung Niedersfeld schön sauber gehackt hat – nach einem elfstündigen Arbeitstag –  damit sich alle anderen daran erfreuen können. Aber ich meine – sein/ihr Einsatz in allen Ehren - man kann doch nicht alles alleine machen! Wenn man Vorsitzender eines Dorfvereins ist, dann muss das doch nicht heißen, dass man damit gleichzeitig auch quasi der neue „Ersatz-Gemeinde-Diener“ ist, oder? Die ordnungsgemäße Pflege öffentlicher Anlagen müsste doch zunächst von den dafür Verantwortlichen organisiert werden – der Stadt und dem Ortsvorsteher – und erst anschließend von der „Dorfgemeinschaft“. Aber wie man hörte, haben sich der neue Ortsvorsteher und mein Boss, der ja auch Chef von Pro Wie ist, auf dem Straßenfest Am Böhl lange unterhalten – möglicherweise auch über diese und jene strukturellen Probleme, wenn es beispielsweise um die Erledigung innerdörflicher Angelegenheiten geht. Wenn ich so an die anstehenden Aufgaben denke, die im Rahmen des Projektes „Dörfer im Aufwind“ auf das Dorf zukommen werden, - dann kann ich die zunehmenden Sorgenfalten auf dem Gesicht des hierfür maßgeblich Verantwortlichen sehr gut verstehen. So wie man derzeit in Wiemeringhausen aufgestellt ist, wird das wohl über den Olympischen Gedanken des „Dabei-sein-ist-alles“ hinaus nicht viel werden – befürchte ich. Denn, wenn man sich weiterhin schwerpunktmäßig für Feste & Feiern engagiert und allein dabei die am Ende des Erwerbs-Arbeits-Tages wenige noch vorhandene Kraft lässt, muss man sich nicht wundern, wenn die persönliche Energie jedes Einzelnen anschließend für dringend notwendige Dorf-Arbeit fehlt. Nun ja – wollen wir hoffen, dass wenigstens die beiden versuchen an einem Strang zu ziehen und es ihnen bald gelingt, in Wiemeringhausen alle Kräfte in hierfür notwendiger und geeigneter Weise zu bündeln. Dass die beiden „Lager“ mittelfristig wie auch immer besser und näher werden zusammen kommen bzw. arbeiten müssen – das sollte eigentlich mittlerweile dem letzten Bieseveih klar geworden sein. Ich - Elektra - werde die Entwicklung jedenfalls mit Spannung weiter beobachten – jetzt will ich mich aber lieber eine Zeit lang wieder den noch regenfeuchten Grashalmen widmen. Gut Horn!

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