Archive für Juni 2010

“Elektra’s” (1) Beobachtungen ….von der Sommerweide

Bei meiner sommerlichen Emigration auf die saftigen Weiden der Hude-Genossenschaft habe ich mich anfangs bis zum Sportplatz vom Dorf entfernt – zuerst etwas störrisch im Alleingang, dann gemeinsam mit meinen schnell lieb gewonnenen sechs Weggefährtinnen. Auf die höher gelegenen Weideplätze auf der Rinderweide darf ich noch nicht, weil ich noch zu jung bin. Aber ich hoffe nächstes Jahr gemeinsam mit den anderen werdenden Kühen einen schönen Sommer in guter Hoffnung dort oben verbringen zu dürfen. Die unteren Ruhrwiesen der Hudegemeinschaft, auf denen ich mich sehr wohl fühle, reichen bis zurück ins Dorf - bis in Höhe meines Winterquartiers in Haskes Stall bzw. direkt bis zum Spielplatz auf der hinteren Lieth. Da bin ich nach den Wochen am Sportplatz aber richtig froh wieder in Dorfnähe zu sein, wo ich mich noch auf Christi Himmelfahrt beim Sportfest so außerordentlich gelangweilt habe. Nicht mal die 2. Senioren-Mannschaft, die jetzt sogar wieder vom Spielbetrieb abgemeldet wurde (das kommt mir ja so bekannt vor) geschweige denn die 1. Mannschaft gaben sich auf dem eigenen Sportfest ein Stelldichein. Stattdessen wurde dem Gemeinen-Wiemeringhauser-Beobachter GWB (2) als Veranstaltungshöhepunkt das Spiel von der A-Jugend gegen die B-Jugend geboten. Immerhin, möchte man sagen, wenn man weiß, worum es in erster Linie bei so einem Sportfest geht. Es überrascht einen doch schließlich kein Verantwortlicher mehr wirklich mit der Sauerländer Vereins-Standard-Antwort auf die Frage, ob es gut gelaufen ist: „Jau, war ganz ordentlich – 5 Hektoliter, woll!“ Na ja, aber irgend wovon muss so ein Verein ja schließlich leben - nur mit Gras und frischem Wasser können eben nur Rindviecher oder Schafe. Und damit zurück zu mir: Wenn man näher am Dorf dran ist, dann kriegt man ja auch viel mehr mit – was so läuft. So hofft man wenigstens und wird dann schnell eines besseren belehrt. Denn in Wiemeringhausen gilt: Glaube an das, und vor allem, interessiere dich nur für das, was du mit bloßem Auge erblicken kannst. Ich kann beispielsweise von meiner Warte aus sehen, dass nicht die Heinzelmännchen, sondern die von der Stadt da an der Kurparkbrücke wieder zugange sind. Das Beet und die Wege sowie selbst der vom Dorfverein gerade erst neu hergerichtete Brückenzugang werden umgestaltet. Die Aktivitäten in allen Ehren, so hätte sich mein Herr und mein Hirte wahrscheinlich doch eine (frühzeitige) Einbeziehung seines Dorfvereins in die Überlegungen gewünscht – so wie es auf der Bürgerversammlung verabredet war, als er wiederholt sogar auf eine Patenschaft angesprochen wurde. Nun war ein Teil der Arbeit für die Katz - hätte man sich sparen können. Aber es ist wohl offensichtlich zurzeit die Zeit der Alleingänge, denn genau diejenigen, die sich vornehmlich als „Dorfgemeinschaft“ begreifen und betiteln, haben sich in Wirklichkeit nun auch nur mehr oder weniger als Einzelgänger geoutet. Während sich die einen „ihre DorV-Projekte“ auf die eigene Partei-Fahne schreiben sind es andererseits unsere drei mutigen, neutralen, grün-schwarzen Musketier-Gesellen, die sich - Ehrensache - um die Rettung des dörflichen Königreiches bemühen und sich dabei nun scheinbar um gar keinen mehr (zu) scheren (brauchen) und das ganze Dorf vor vollendete Tatsachen stellen, indem sie bewusst den Bürger(inne)n und dem bzw. den Dorfverein(en) jegliche Information und damit frühzeitige Teilhabe an Dorfentwicklungs-Bewerbungs-Konzepten vorenthalten und verweigern. Im Ergebnis sehe ich uns mit dieser Bewerbung auf den ersten Blick zurückversetzt in das Jahr 2002: Nahezu nichts weiter als abgestandener kalter Kaffee aus den Vorzeiten des Dorfaktionstags - vom gleichen Koch - nur nochmal aufgewärmt. Wer also den endgültigen Beweis für mindestens acht Jahre Stillstand in Wiemeringhausen gesucht hat, der findet ihn jetzt in den „Bewerbungsunterlagen“. Mögen die drei Pro-Wiemeringhausen-Aktiven als selbstgefällige Vertreter der Dorfgemeinschaft weiterhin allein so erfolgreich sein, wie sie es bei dieser tollen Bewerbung waren. Ich werde es weiter beobachten – natürlich nur soweit, wie ich auch durch die natürlichen Hecken (im Dorf) und über die künstlichen Mauern (in den Köpfen der Leute) hinweg etwas erkennen kann.

(1) Das rote Höhevieh mit dem klangvollen Namen “Elektra” ist das derzeit einzige und vorerst letzte Original-Wiemeringhauser-Bieseveih. Es ist seit einiger Zeit auf der Sommerweide und will sich - trotz Sommerpause - zwischendurch immer mal wieder zu Wort melden, um uns seine Beobachtungen und die dabei gewonnenen Eindrücke mitzuteilen. Sie ist halt mitteilsam(er) als andere - also lassen wir sie doch zwischendurch mal wieder zu Wort kommen.

(2) GWB: Synonym bzw. Kürzel für die in Wiemeringhausen stark ausgeprägte passive Rolle der Bürger(inne)n als Statisten und stille Beobachter

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